Seit Ewigkeiten werden die Wälder, Berge, Wiesen und auch Städte von Straßenhunden bevölkert. Seit Anbeginn der Zeit waren sie Einzelgänger, sich selbst zu versorgen reichte ihnen schon.
Doch die Zeiten ändern sich. Wölfe beginnen sich in der Umgebung heimisch zu fühlen, Menschen fangen Hunde oder töten sie sogar. Die Zeit ist gekommen, sich zu verbünden...
Was wirst du tun?
Schlägst du dich als Einzelläufer durch?
Gibst du auf und dienst dem Menschen?
Schließst du dich einem Rudel an?
Oder gründest du selbst eins?
Die Wölfe freuen sich immer über Gesellschaft...


Sei frei!
 

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 M-8




Dieser Pfotenabruck wurde am So Feb 22, 2015 4:09 am von ©M-8 hinterlassen.

1. kapitel
dear mommy, your daughter is a monster

Das Kind dreht sich auf dem Teppich im Kreis, schneller und schneller. Es trägt ein rotorangenes Kleid und seine blonden Haare sind zu wehenden Zöpfen geflochten. Eigentlich ist es ein Mädchen, aber es ist auch erst sieben oder acht Jahre alt und deshalb ist es für mich lediglich ein Kind. Geschlechtslos. Aus der Entfernung vielleicht ganz niedlich anzuschauen, aber wenn sie einem zu nahe kommen dann gehen sie einem nur noch auf den Geist. Vielleicht ließe sich daraus ein tiefschürfendes Zitat machen, aber Fakt ist dass Kinder einfach nerven, sobald man die Entfernung der Nähe weicht und mit ihr die Illusion der Niedlichkeit verschwindet. Okay, da klang jetzt doch relativ philosophisch. Fakt ist dass dieses kleine Kind irgendein Problem hat. Natürlich, es ist ein kleines Kind, was für Probleme können kleine Kinder schon haben? Aber andererseits ist es hier im Wartezimmer einer selbstständigen Psychotherapeutenplatzes und wird demnächst zu seiner Therapiesitzung abgeholt. Seine Mutter sitzt einen Stuhl von mir entfernt, eine Frau um die vierzig, das Kind wird also noch mindestens ein Geschwister haben, mit offensichtlich gefärbten kastanienroten Haaren. Die Farbe ist zu jugendlich für sie. Meine eigenen Haare sind schwarzbraun, zumindest wären sie das wenn ich die Spitzen - die in meinem Fall ganze fünfzehn Zentimeter darstellen - nicht ständig nachfärben würde. In einem Ton, der sich 'Violet Night' schimpft, was an sich nur eine andere Bezeichnung für 'sehr blaues Lila' ist. Abgesehen von diesem falle ich nicht durch das Raster der Normalos. Zumindest nicht äußerlich. Innerlich weiß ich, dass ich anders bin und eigentlich jeder der mir Nahe genug kommt weiß das auch. Im Gegensatz zu dem kleinen Kind, bei dem ich mir höchstens Schulangst oder etwas verleichsweise gefahrloses vorstellen kann, und dem depressiven Typen der jede zweite Woche mit mir seine Kopfhörer teilt, bis unsere jeweilige Therapie beginnt, bin ich hier weil ich einem Mädchen den Arm gebrochen habe. Das war vor eineinhalb Jahren, eine Anzeige habe ich nicht bekommen, aber den dringlichen Rat mir schleunigst einen Therapieplatz zu besorgen, wenn ich keine Suspendierung, zehnjährigen Hausarrest - der auf ein Jahr gekürzt wurde - und weitere Einschränkungen bekommen möchte. Ehrlich gesagt verstehe ich bis heute nicht, warum ich hier bin. Natürlich, an sich bricht man einer Klassenkameradin nicht den Arm, aber wenn diese Klassenkameradin eine billige Schlampe ist, die dir deine Klamotten zerschneidet damit du in vergessener Sportkleidung den Rest des Tages bewältigen darfst, dann sieht die Angelegenheit vollkommen anders aus, zumindest für mich. Jedenfalls wurde mir ein Aggressionsproblem vorgeworfen, das ich irgendwie in den Griff bekommen muss. Aber wie soll man etwas in den Griff bekommen, wenn es nicht mal existiert? Ich bin nicht im geringsten aggressiv, genauer gesagt habe ich eine wirklich tolle Selbstkontrolle, ich bin höchstens zwei Stunden am Tag im Internet, wenn ich mir etwas vornehme, dann halte ich mich auch daran. Ebenso wie ich mir vorgenommen habe, diesem Mädchen wehzutun. Wer hätte denn auch ahnen können, dass ihr sofort der Arm bricht? Hätte sie eben nicht so rumziehen und -kreischen sollen, dann wäre es gar nicht soweit gekommen. Außerdem wird so ein Arm dank unserer Medizin ziemlich schnell wieder heil. Ich seufze und beobachte wie die Lippen des Kindes sich bewegen als es mit seiner Mutter spricht. Es ist stehen geblieben und gestikuliert mit seinen kurzen Armen. Ob die Arme wirklich kurz sind kann ich natürlich nicht beurteilen, aber sie scheinen so. Hören kann ich nicht, was die zwei sagen, weil ich es bevorzuge mein Gehirn mit Nick Caves 'Curse of Millhaven' zuzudröhnen. Andere nehmen Drogen, ich bevorzuge Musik. Also bin ich ein relativ braves Mädchen. Was wollen die noch von mir? Nur weil irgendwann mal irgendwer einen Fehler gemacht hat, bedeutet dass noch lange nicht dass man fast zwei Jahre lang einen Kopfdoktor bezahlen muss. Wobei das die Krankenkasse tut. Andernfalls wären es meine Eltern, also ist mir dieses Argument relativ egal. Überhaupt ist es mir auch relativ gleichgültig, dass ich ein 'Psycho' bin. Ich schäme mich nicht dafür, vielmehr ist da soetwas wie ein fast schon kranker Stolz, der mir beweist dass es eine Erklärung für das alles gibt. Dafür, dass ich mich anders verhalte als die anderen, dafür dass es mir egal ist, wenn ich jemandem wehtue. Schließlich bin es nicht ich, die die Schmerzen spürt. Wobei es wahrscheinlich irgendwo doch jedem so geht. Das Holz an der Eingangstür knirscht, als Dr. Steger meine Psychologin den Warteraum betritt. Hören kann ich das natürlich nicht, weil Nick Cave als Lottie grade "Even god's children all have to die" singt. Aber ich sehe es, und das Geräusch kenne ich von meinen eigenen Schuhen. Als sie auf mich zukommt nehme ich die Ohrstöpsel aus meinen Ohren und hänge sie um meinen Hals bevor ich den iPod abschalte. "Hey Laureen", sie begrüßt mich mit ihrem üblichen Lächeln als ich aufstehe und ihr die rechte Hand schüttle, in der Linken hält sie meine Akte mit einem Foto auf dem ich zu sehen bin, mit schwarzen Pandaaugen und trotzigem Gesicht. Inzwischen habe ich mich verändert, aber das Bild muss nicht erneuert werden, schließlich sehe ich mir noch ähnlich genug und ich will mich ja auch nicht für einen Modelljob bewerben. "Hey.", antworte ich und hebe meine Tasche auf, bevor ich ihr aus dem Raum folge, einen großen Bogen um das kleine Kind machend, dass mich überrascht ansieht als hätte es nicht mehr daran geglaubt, dass ich mich bewegen oder gar sprechen würde. Wie auch die Dielen bei der Tür knirschen die Treppenstufen die hinauf zu den Büros der Psychotherapeuten führen. Es ist ein altes, beinahe quadratisches Haus und ironischerweise hätten es meine Eltern vor einigen Jahren beinahe gekauft, als wir wegen meinen jüngeren Brüdern - unerwarteten Zwillingen - umgezogen sind. Ab und an habe ich mich gefragt, ob ich dann in Dr. Stegers Büro wohnen würde. Es ist immerhin fast so groß wie mein Zimmer zuhause - auch wenn das nichts bedeutet - und hat eine weitaus durchdachtere Ausstattung. Während sich meine Bücher in einer Ecke auf dem Boden stapeln sind sie hier dem Alphabet nach in Regale mit sauberen Glastüren eingeordnet. An der rechten Wand neben der Tür steht ein Tisch mit drei Stühlen, an dem ich und meine Seelenklempnerin einander gegenübersitzend Platz nehmen. Das Sofa zu meiner linken, ebenfalls an der Wand stehend, habe ich nie als Sitzgelegenheit in Betracht gezogen. Es ist nichts für mich neben einer doch recht unbekannten Frau zu sitzen und mit ihr über mein Leben zu reden. Natürlich kann ich sie einschätzen und das alles, aber das macht sie noch lange nicht zu einer Bekannten. Doch ich spüre, dass heute nicht eine von den Sitzungen wird, in denen ich sie dazu bringe abzuschweifen und über die tiefere Bedeutung von Songtexten zu reden, wie ich es sonst häufig tue. "Wie gehts dir?", fragt sie während sie meine Akte aufschlägt und ein neues Papier sowie einen ihrer Billig-Kugelschreiber zurecht legt. "Wird schon. Der größte Stress kommt dieses Schuljahr erst noch.", dass es mir egal ist, was kommt wird ihr wahrscheinlich schon längst aufgefallen sein. Ich bin gut genug, und solange ich nicht sitzen bleibe sollen die anderen gefälligst die Füße ruhig halten. Statt mich damit aufzuhalten, sie ebenfalls nach ihrem Befinden zu fragen - was mir auch gar nicht wirklich in den Sinn kommt - schweige ich einfach. Keine Ahnung warum, aber zu Beginn der Gespräche lasse ich mich eigentlich eher ausfragen als von selbst etwas zu erzählen. "Keine Probleme mit irgendwelchen Fächern?", nur weil sie mich wegen meiner 'Aggressionsprobleme' heißt dass noch lange nicht, dass sie sich auch mit anderen Dingen aus meinem Leben beschäftigt. Psychologie ist nicht nur auf einer Liege chillen und von seiner schrecklichen Kindheit erzählen. Überhaupt hätte ich da wenig zu sagen. "Nein, keine. Latein geht mir auf die Nerven, natürlich aber das wähl ich ja sowieso ab.", da ich ein Jahr später eingeschult wurde, weil ich mich nicht gut konzentrieren konnte und mich wahrscheinlich auch nicht allzu toll benommen habe, bin ich mit meinen knapp siebzehn Jahren noch in der zehnten. "Okay. Dann ist es ja vorbei.", sie sieht erneut auf ihr noch leeres Papier, dass sich bald mit ihrer charakteristisch weiten, krakeligen Schrift füllen wird. Sie passt zu ihr, ihre Schrift. Irgendwie flach, so wie Dr. Steger klein und nun auch eher flach ist, aber trotzdem stabil und nicht zittrig. "Gibt es etwas spezielles über das du sprechen möchtest?", mit der Zeit wird es wohl doch schwer eine vollkommen ruhige Pseudo-Aggressive zu beschäftigen. "Nein, an sich nicht." Sie nickt und zieht noch etwas aus meiner Akte. Gelbes Papier, das dieses etwas als den letzten Fragebogen entlarvt. "Dann können wir ja hierrüber sprechen." Ich beuge mich vor und sehe meine unordentlichen Kreuze, die ein wenig an Aids-Schleifen erinnern, wenn man da mal drüber nachdenkt. "Klar.", es war einer dieser Tests, die schauen was für Anomalien sich in deinem Schädel befinden. Ich habe das schon oft gemacht, besonders am Anfang. Der Test vor mir ist eher eine Ausnahme, weil es wieder Panikmache gab, von wegen unentdeckte zukünftige Profikriminelle. Auffällig gewordene Patienten sollen den ausfüllen, damit die sich ein Bild davon machen können, ob wir die zukünftige Mafia von Deutschland sind. "Das Ergebnis war relativ... eindeutig. Die Frage ist, wie wir weitermachen." Meine Augenbraue wandert von ganz allein in die Höhe. "Dem Test nach befindest du dich in den plus fünfundsiebzig Prozent, in denen sich Psychopathie, antisoziale und dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie Soziopathie befinden. Es ist noch nicht vollständig gesagt, aber darauf werden wir auf jeden fall eingehen." Meine Augen hängen nur auf der umkreisten Prozentzahl auf der Rückseite der Auswertung. 90%-100%.


*brainfucked?!
ICH BIN ERSCHAFFEN UND ERDACHT AUS DEINEM BLUT GEBOREN ABGESCHRIEBEN WORT FÜR WORT DER GEIST DEN DU BESCHWOREN ICH BIN EIN ZERRBILD DEINER SELBST ICH SCHULDE DIR MEIN LEBEN BIN NICHT GEZEUGT, SONDERN GEMACHT. EIN NARR DER AUS DEM SPIEGEL LACHT. ICH BIN ALLEIN MIT MEINEN FRAGEN DIE ANTWORT HAT NUR VIER BUCHSTABEN. EIN GEJEIMES ALPHABET, DAS IM BLUT GESCHRIEBEN STEHT. DU WARST VOM BÖSEN GEIST GETRIEBEN, HAST ES EINFACH ABGESCHRIEBEN. HAST ES WORT FÜR WORT KOPIERT, HAST MEINE SEELE BUCHSTABIERT.

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